20.4.2023

Top Ten der unsinnigen Versicherungen

Es ist wichtig, gut und vor allem bedarfsgerecht versichert zu sein. Dafür setzen wir uns als Verbraucherschützer*innen täglich ein. Aber nicht jede Versicherung ist für jede Verbraucherin oder jeden Verbraucher sinnvoll. Einige Versicherungen braucht sogar niemand. In diesem Blogbeitrag stellen wir die zehn unsinnigsten Versicherungen vor.

Platz 10: Reiserücktrittsversicherung

Wenn eine gebuchte Reise nicht angetreten werden kann, soll die Reiserücktrittsversicherung vom Reiseanbieter verlangte Entschädigung erstatten – zumindest dann, wenn eine vertraglich definierte Risikoperson „unerwartet schwer“ erkrankt ist.

Doch genau hier liegt der Knackpunkt: Denn wann eine Erkrankung unerwartet schwer ist, ist für Versicherte nicht ersichtlich. Der Versicherer verzichtet bei Antragstellung auf sogenannte Risikofragen. Dadurch muss er sich nicht schon bei Vertragsschluss entscheiden, welches Risiko er versichern möchte. Erst im Leistungsfall prüft und entscheidet er, ob die Erkrankung, die zu Rücktritt oder Abbruch geführt hat, schwer und für den Versicherungsnehmer unvorhersehbar war.

Für Versicherte bleibt bis dahin also unklar, ob die von ihnen abgeschlossene Versicherung auch tatsächlich den eigenen konkreten Gesundheitszustand (oder den von Risikopersonen) abdeckt oder nicht. Der Versicherungsschutz ist also bestenfalls fraglich – schlechtestenfalls sogar nutzlos.

Platz 9: „Kleinst-Versicherungen“

Sogenannte „Kleinst-Versicherungen“ sichern kein Risiko ab, das den Lebensstandard gefährdet und bieten zudem kein angemessenes Prämien-Leistungsverhältnis.

Eine Brillenversicherung ersetzt nicht jeglichen Kostenaufwand. Eine neue Brille gibt es beispielsweise nur dann, wenn die aktuelle mindestens zwei Jahre alt ist oder eine Sehstärkenänderung in bestimmter Höhe vorliegt. Alternativ erstattet der Versicherer lediglich Kosten in begrenzter Höhe, beispielsweise nur bis zu 300 Euro. Wer eine besondere Fassung oder höherwertige Gläser wünscht, muss höhere Zuzahlungen leisten.

Die Ticketversicherung für Karten zu Konzerten und Sportveranstaltungen etc. greift nur bei schwerwiegenden Vorfällen wie schweren Unfallverletzungen, unerwartet schweren Erkrankungen oder erheblichen Schäden am Eigentum – beispielsweise durch Brand.

Mehr zur Ticketversicherung können Sie hier lesen.

Auch eine spezielle Sportgeräteversicherung ist unnötig. Denn der Verlust ist meist über die Hausratversicherung (auch im Rahmen der Außenversicherung) abgedeckt – insbesondere bei Brand, Einbruchdiebstahl, Sturm, Hagel und Leitungswasser.

Platz 8: Krankenhaustagegeldversicherung

Glaubt man den Verkaufsargumenten der Versicherer, bildet die Krankenhaustagegeldversicherung die finanzielle Grundlage für die gesetzliche Zuzahlung, das tägliche Obst, den Besuch der Familie im Krankenhaus oder das Fernsehgerät. Das ist jedoch mehr als fraglich. In jedem Fall sichert die Versicherung kein Risiko ab, das den Lebensstandard gefährdet – somit kann man auf sie getrost verzichten.

Platz 7: Reisegepäckversicherung

Haben Sie Ihr Gepäck auf der Reise stets in der Hand oder zwischen die Beine geklemmt? Das müssten sie nämlich, um sicher zu sein, dass der Reisegepäckversicherer im Verlustfall tatsächlich zahlt. Bei grob fahrlässigem Verhalten im Umgang mit dem Reisegepäck zahlt der Versicherer nur anteilig oder eben gar nicht. Und, dass sie nicht grob fahrlässig waren, müssten sie natürlich im Schadenfall erst einmal beweisen können. Außerdem sind Wertsachen nur unzureichend mitversichert. Und die wären doch wahrscheinlich das, was Sie am dringlichsten absichern wollen?

Sie ahnen es schon: Auch diese Versicherung bietet keinen verlässlichen Schutz und ist damit verzichtbar. Die gute Nachricht ist: Gegen bestimmte Gefahren ist Ihr Gepäck ohnehin in der Hausratversicherung abgesichert.

Platz 6: Elektronikversicherungen

Ein defektes oder verlorenes Handy treibt niemanden in den finanziellen Ruin – schon allein diese Tatsache stellt die Sinnhaftigkeit einer Handyversicherung infrage. Entschädigt wird ohnehin meistens nur der Zeitwert des Handys und es ist eine Selbstbeteiligung zu zahlen. Zudem sind meist nur Neugeräte innerhalb von drei Monaten ab Kaufdatum versicherbar.

Ganz ähnlich verhält es sich mit Haushaltsgeräteversicherungen oder „Garantieverlängerungen“ bei Elektrogeräten, die dann greifen sollen, wenn beispielsweise ein Geschirrspüler oder Fernseher beschädigt wird. Viele dieser Versicherungen leisten bei Totalschäden oder Diebstahl als Ersatz lediglich ein „gleichwertiges“ Gerät oder eine Geldleistung in Höhe des Zeitwerts des alten Geräts. Auch haben viele der Angebote ein schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis und zahlreiche Einschränkungen, wie fehlender Schutz bei Verschleiß oder Diebstahl.

Platz 5: Unfallversicherung mit Prämienrückgewähr

Die Unfallversicherung mit Prämienrückgewähr verbindet den Unfallschutz mit einem Sparvertrag. Das klingt ja erstmal gar nicht so schlecht. Aber: Ähnlich wie bei einer kapitalbildenden Lebensversicherung legt der Versicherer einen Teil der eingezahlten Beiträge an. Und ähnlich wie bei der kapitalbildenden Lebensversicherung ist eine solche Police meist ein „Nullsummenspiel“; in manchen Fällen müsste man sogar von einem „Negativsummenspiel“ sprechen. Bei Ablauf erhalten die Versicherten den (nominalen) Betrag zurück, den sie vorher zusätzlich zum Unfallversicherungsschutz einbezahlt haben – und zwar meist nur sehr mäßig verzinst. Zudem sind die Versicherungsleistungen für den Unfallschutz häufig deutlich schlechter als bei „reinen“ privaten Unfallversicherungsverträgen.

Platz 4: Restschuldversicherung

Die Restschuldversicherung soll Darlehensnehmer und deren Angehörige oder Geschäftspartner*innen gegen die Folgen von Arbeitsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit und Tod absichern und die noch offene Restschuld begleichen.

Die Policen sehen aber umfangreiche Ausschlussklauseln und Wartezeiten vor. Daher ist häufig fraglich, ob die Versicherung bei den vereinbarten Ereignissen überhaupt leistet – zum Beispiel, wenn die Vertragslaufzeit bei einem Leasingvertrag kürzer ist als die Wartezeit. Zudem zahlt sie unter anderem nur bei nicht bekannten Erkrankungen, nur für begrenzte Zeiträume, bis zu einer erreichten Obergrenze oder bei Arbeitslosigkeit nur nach unbefristeten Arbeitsverträgen. Und noch dazu sind die Beiträge im Verhältnis zur versicherten Leistung viel zu hoch.

Platz 3: Ausbildungsversicherung

Hinter den sogenannten Ausbildungsversicherungen stecken kapitalbildende Lebensversicherungen, die teuer, unrentabel und unflexibel sind. Zur Vermögensbildung sind sie völlig ungeeignet. Wenn Sie für Ihre Kinder oder Enkelkinder Geld anlegen möchten, das als Starthilfe zum Ausbildungs- oder Studienbeginn dienen soll, sollten sie es besser selbst anlegen – beispielsweise in einem ETF-Sparplan.

Platz 2: Sterbegeldversicherung

Auch die Sterbegeldversicherung ist lediglich eine geldaufzehrende Kapitallebensversicherung. Bei langer Laufzeit wurde am Ende häufig mehr eingezahlt, als die Hinterbliebenen herausbekommen. Wenn Sie Ihre Angehörigen entlasten möchten, ist eine rechtzeitige Geldanlage die bessere Alternative.

Platz 1: Kapitalbildende Versicherungen

Alle kapitalbildenden Versicherungen (Kapitallebensversicherung, private Rentenversicherung, Fondspolicen sowie Riester- und Rürup-Rentenversicherungen) sind weder zur Altersvorsorge noch zur Vermögensbildung geeignet. Und das gilt nicht nur in Zeiten niedriger Zinsen. Auch intransparente und überteuerte Kostenstrukturen sowie überzogene Langlebigkeitsmaßnahmen (bei Rentenversicherungen) führen dazu, dass die versicherten garantierten Leistungen geringer sind als das, was an Prämien eingezahlt wurde.

Bei neueren Rentenversicherungstarifen werden die Konditionen der lebenslangen Rente (Rentenhöhe beziehungsweise -faktor) sogar häufig erst zu Rentenbeginn mitgeteilt – also nach 20, 30, 40 oder noch mehr Jahren. Ob es noch etwas mit „Versicherung“ zu tun hat, wenn man die Höhe der Leistung erst bei Fälligkeit (er)kennt, ist fraglich.

Sie besitzen eine kapitalbildende Lebens- oder Rentenversicherung und möchten sie nicht mehr weiterführen? Im BdV-Infoblatt „Ausstieg aus kapitalbildenden Lebens- und Rentenversicherungen“ finden Sie die wichtigsten Informationen.


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Als Mitglied des BdV beraten wir Sie nicht nur zu Ihrem individuellen Versicherungsbedarf und Ihren bestehenden Verträgen, sondern auch bei Problemen im Schadenfall. Im Rahmen der Rechtsberatung helfen wir unseren Mitgliedern zudem bei Streitfällen mit Versicherungen und/oder Versicherungsvermittlern.

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Über mich

Ich bin Julia Alice Böhne und seit Februar 2018 als Pressereferentin beim Bund der Versicherten. Zuvor habe ich mehrere Jahre als Journalistin bei einem Fachmagazin für und über die Finanz- und Versicherungsbranche geschrieben. Der Aspekt des Verbraucherschutzes hat mich dabei besonders interessiert. Denn je mehr ich mich mit Versicherungen beschäftigt habe, desto deutlicher wurde, wie undurchsichtig die Branche und ihre Produkte für die meisten Menschen sind. Gleichzeitig empfinden viele das Thema als langweilig oder gar lästig, obwohl es teilweise um existenziellen Schutz geht. Ich möchte dazu beitragen, diese Intransparenz zu beseitigen und mehr Interesse an Versicherungsthemen zu erzeugen – unter anderem mit Beiträgen im BdV-Ratgeber.