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Politik | 30.10.2015

Niedrigzinsen offenbaren Kalkulationsfehler der Versicherungsmanager

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Für eine Anhörung des Finanzausschusses des Deutschen Bundestages stellte der Bund der Versicherten e. V. (BdV) heute seine Stellungnahme zu den Folgen der Niedrigzinspolitik der EZB vor. Am kommenden Mittwoch befragen die Abgeordneten die Verbraucherschützer wie auch andere Experten. Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des BdV, macht dabei die gravierenden Auswirkungen auf die Lebensversicherungsverträge deutlich. „In erheblichem Umfang hat die Versicherungsbranche Gelder als Reserven geparkt, die eigentlich den Kunden zufließen müssten“, stellt er fest. Dabei geht es um Gelder im Umfang von über 70 Milliarden Euro. Hauptgrund für die hohen Reserven ist die Differenz zwischen den in einigen Verträgen garantierten Zinsen und den derzeit niedrigen Zinsen bei festverzinslichen Wertpapieren. „Ohne Not haben die Versicherer früher mit hohen Zinsen kalkuliert und stellen jetzt fest, dass sie sich verkalkuliert haben“, erklärt Kleinlein. Anders als in anderen Branchen können die Versicherer aber die Folgen der Fehlkalkulation auf die Kunden abwälzen.

In der klassischen Lebensversicherung kalkulieren die Versicherungsmathematiker, die Aktuare der Unternehmen, mit einem Garantiezins, der für den gesamten Vertragsverlauf festgeschrieben ist. Dabei dürfen sie eine Obergrenze nicht überschreiten, niedriger ist jedoch erlaubt. „Ohne Not haben die Versicherer in den 90er Jahren mit einem Garantiezins von 4 Prozent kalkuliert und sehen angesichts der niedrigen Zinsen jetzt Probleme“, erklärt Kleinlein. Daher bilden die Versicherer nun zusätzliche Reserven, finanzieren diese aber aus den Überschüssen. Die Kunden erhalten dadurch weniger Ablaufleistungen und Renten, während die Unternehmen nur marginale Einbußen haben. „Wir fordern, dass die Unternehmen mindestens in gleichem Maße Verzicht üben, wie die Kunden. Die Reserven für alle Unternehmen müssen nach gleichen Spielregeln gebildet werden. Zudem muss transparent gemacht werden,  welche Gelder geparkt werden. Und überflüssige Kürzungen bei den Bewertungsreserven müssen rückgängig gemacht werden“, erklärt Kleinlein. Die Versicherer haben mittlerweile umfangreiche Reserven gebildet, die nach Ansicht des BdV zuweilen unangemessen hoch sind. Auch werden diese Reserven fast vollständig zu Lasten der Verbraucher finanziert. Die Aktionäre erhalten trotzdem weiterhin exorbitante Dividenden. Etwa 70 Milliarden Euro solcher Reserven werden nicht als Überschüsse an die Kunden gezahlt, obwohl sie eigentlich den Kunden zustehen. „Kunden verzichten auf so viele Überschüsse als müssten sie alleine den Grexit stemmen“, vergleicht Kleinlein. In Zinszusatzreserven, freier Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RfB), kollektiver RfB und Bewertungsreserven schlummern derzeit diese Milliarden.

 

Die Stellungnahme des BdV finden Sie hier:

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