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BdV | 04.05.2017

27. Wissenschaftstagung des Bund der Versicherten

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Die Wissenschaftstagung des BdV am gestrigen Tag war mit über 100 Teilnehmern aus Politik, Wissenschaft, Versicherungswirtschaft und Verbraucherschutz sehr gut besucht. Referiert und diskutiert wurde rund um Niedrigzinsen, Digitalisierung und die Auswirkungen auf Versicherte und Versicherungsunternehmen.

Karin Frick, Leiterin Research und Mitglied der Geschäftsleitung Gottlieb Duttweiler Institute, analysiert als Ökonomin Trends und Gegentrends in Wirtschaft, Gesellschaft und Konsum. Ihr Beitrag „Megatrends in Wirtschaft und Gesellschaft – Alles beim Alten oder alles neu?“ verschaffte allen Teilnehmern vorab einen Blick in eine schnellere und technisierte Zukunft. Kann da die Versicherungswelt mithalten?!

Prof. Dr. Heinz Zimmermann, Ordinarius für Finanzmarkttheorie am Wirtschaftswissenschaftlichen Zentrum WWZ der Universität Basel, berichtete zum Thema „Kapitalgedeckte Vorsorge im Tiefzinsumfeld - Grundsätzliches und Erfahrungen der Schweiz“. Er blickte kurz auf die Struktur des Vorsorgesystems der Schweiz und ging dann auf die konkreten Probleme – Demografie, Alterung, Gesundheits-/Pflegkosten und Kapitalmarkt – ein. Eine seiner Thesen:  Angezeigt wäre eine Trennung zwischen sozialpolitischen Zielsetzungen (Sicherung Existenzminimum) und Vermögensbildung als Säulen der Vorsorge. Seine Forderung: Garantien weg, nicht jedoch die kapitalgedeckte Vorsorge!

Nach der Mittagspause startete Prof. Dr. Martin Eling, Professor für Versicherungsmanagement und Direktor des Instituts für Versicherungswirtschaft an der Universität St. Gallen, mit seinem Beitrag „Digitalisierung und Big Data - Konsequenzen für die private Altersvorsorge“. Macht kapitalgedeckte Vorsorge noch Sinn? Zerstört Digitalisierung unsere Arbeitsplätze? Zerstört Digitalisierung Solidarität? Seine These: Big Data reduziert den Sinn der Teilnahme an einem kapitalgedeckten Vorsorgesystem.

„Digitaler Vertragsschluss – Anforderungen des Vertrags-, Vermittler- und Datenschutzrechts“, so lautete der Titel des Beitrags von Prof. Dr. Christian Armbrüster Inhaber des Lehrstuhls für Bürgerliches Recht, Handels- und Gesellschaftsrecht, Privatversicherungsrecht und Internationales Privatrecht an der Freien Universität Berlin. Er durchleuchtete dafür den Versicherungsabschluss über das Internet, die Beratungs- und Informationspflichten, die besonderen Pflichten im elektronischen Geschäftsverkehr und die datenschutzrechtlichen Anforderungen sowie die Sanktionen bei Verstößen. Ist die Versicherungsmakler-App also ein Zukunftsmodell? Seine These: Jein - Versicherungsmakler-Apps gestalten Vermittlung innovativer, verdrängen sie jedoch nicht.

Dr. Reiner Will, Geschäftsführender Gesellschafter und Mitbegründer der ASSEKURATA Assekuranz Rating-Agentur GmbH, berichtete zum Thema „ Auswirkungen der Niedrigzinsphase/Zinszusatzreserve auf Branche, Unternehmen und Produkte“. Sein Fazit: Bei dauerhaften Niedrigzinsen wird das Garantiezinskonzept der klassischen Lebensversicherung zur Belastungsprobe und die Produktkonzepte stehen marktweit auf dem auf dem Prüfstand.

Axel Kleinlein, BdV-Vorstand (Sprecher) und Constantin Papaspyratos, BdV-Sprecher Stabsstelle Rechts- und Fachberatung, berichteten zum Abschluss des Tages zu den Themen „Aktuelle Entwicklungen in der Lebensversicherung: Die Kalkulation des Langlebigkeitsrisikos“ sowie „Geld- und fiskalpolitische Auswirkungen auf die private Altersvorsorge: Verbraucherpolitische Kollateralschäden“. Das Problem laut Kleinlein: Aktuell kalkulieren die Lebensversicherer sehr uneinheitlich wenn es darum geht, welche Lebenserwartung sie ihren Kunden unterstellen – es gibt Tafeln mit exorbitant langen Lebenserwartungen. Constantin Papaspyratos stellte die verbraucherpolitische Bewertung der Geld- und fiskalpolitischen Auswirkungen auf die private Altersvorsorge dar: Die geldpolitische und fiskalpolitische Abhängigkeit der privat Vorsorgenden wird verstärkt und die politisch gewünschte(/begünstigte) private Altersvorsorge führt zu verteilungspolitisch und sozialpolitisch widersinnigen Ergebnissen.

Morgen geht es mit den Diskussionsrunden der Versicherungsexperten und Politikern zum Thema „Private Altersvorsorge – zwischen privater Kür und gesetzlicher Pflicht“ sowie der Verleihung des „Versicherungskäse des Jahres“ spannend weiter.

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