Schrift verkleinern Schrift vergrößern

Neue Herausforderungen

Die Einführung der Pflegeversicherung vor dreizehn Jahren hat ein neues Kapitel der Sozialversicherung in Deutschland aufgeschlagen. Sie wurde als fünfte Säule des Systems – neben Kranken-, Renten-, Arbeitslosen- und Berufsunfallversicherung – eingerichtet.

Gründe für die Einführung waren die stets wachsende Lebenserwartung, die immer kleiner werdenden Familien und somit das Problem, die Versorgung Älterer im familiären Kreis nicht mehr leisten zu können oder zu wollen. Hinzukamen das schnelle Absinken älterer Menschen in die Sozialhilfe und der damit verbundene drohende Kollaps kommunaler Finanzen, die deutsche Einheit mit ihren aus den unterschiedlichen Erwerbsbiografien sich ergebenden Renten in Ost und West.

Von Anfang an war aber die Pflegeversicherung nur eine Grundsicherung und keine „Vollkasko“-Absicherung von Pflegerisiken. Seit dem Start blieben die Pflegegeld-Beträge bis heute unverändert. Damit zehrten sie sich inflationsbedingt aus. Das Kapitalpolster der Pflegeversicherung ist aufgebraucht. Das zunehmend an Bedeutung gewinnende Thema der Altersdemenz war bislang nur rudimentär berücksichtigt. Alles Gründe, die Pflegeversicherung zu reformieren.

Ergebnis ist die stufenweise Anpassung der ambulanten Sachleistungsbeträge und des Pflegegeldes. Im stationären Bereich werden nur die Leistungen in der Pflegestufe III angehoben. Pflegestützpunkte (Bundesländer können sie beschließen) sollen die örtlichen Hilfsmaßnahmen für Pflegebedürftige und Pflegende verbessern. Gleichzeitig werden neue Wohnformen und Netzwerke gefördert.

Die Finanzierung der insgesamt sehr vorsichtigen Verbesserungen erfolgt durch höhere Beitragssätze von künftig 1,95 Prozent (für Kinderlose 2,2 Prozent) auf das Einkommen. Trotzdem wird der jetzige Beschluss finanziell keine sieben Jahre halten. Dann muss es eine nachhaltigere Basis geben, die auch den Risikoausgleich zwischen gesetzlichen und privaten Pflegekassen umfassen muss.

Die wichtigsten Gründe für diese notwendigen weiteren Strukturveränderungen sind:

- die Lebenserwartung steigt weiter (heute Geborene: 82 Jahre männlich / 88 weiblich)

- die anhaltend geringe Zahl von Geburten liegt mit einer Fertilitätsquote von kaum 1,4 weit unter der für eine stabile Bevölkerungsentwicklung notwendigen Quote von 2,1

- in den letzten fünf Jahrzehnten hat sich die durchschnittliche Rentenbezugsdauer von 10 auf 17 Jahre verlängert

- mit zunehmender Hochaltrigkeit steigt der Anteil der Demenzerkrankungen exponentiell (Altersgruppe von 65 bis 69 Jahre: 1,2 Prozent, Altersgruppe über 90: 34,6 Prozent).

Deshalb wird die Herausforderung sich nicht nur auf die Entwicklung der Pflegesätze, sondern auf weitreichende Veränderungen des Verhältnisses der Generationen, der Therapien, der Medizintechnik und der Medikamente, der Dienstleistungsangebote, der Wohnformen und -orte erstrecken.

Insgesamt ist aber die Botschaft positiv: wir haben die Chance, länger selbstbestimmt zu leben und dies ohne Verlängerung der Krankheitszeiten.

Hajo Hoffmann, Vorsitzender des Zukunftsbeirates von Pro Seniore


 

v.i.S.d.P. Lilo Blunck, Henstedt-Ulzburg, 18.04.2008

 

BdV-Mitgliederbereich




 

Noch keinen Online-Zugang angefordert?

Service-Telefon

Für Nichtmitglieder

04193 - 94 222

Mo - Do 9 bis 18 Uhr
Fr 9 bis 13 Uhr


Speziell für Mitglieder
(Bitte Ihre Mitgliedsnummer bereit halten)

04193 - 99 040

Mo - Do 9 bis 18 Uhr
Fr 9 bis 13 Uhr